Pressespiegel
 
2011
 
tagesspiegel / 17.07.2011
http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/das-naechste-kapitel/4400028.html
Das nächste Kapitel
Von Lutz Steinbrück
Der Weg zum erfolgreichen Autor ist steinig. Studiengänge und Workshops können zum Erfolg führen
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Mut braucht es für eine weitere Chance, sein Schreiben weiterzuentwickeln: Berlins Literaten können ihre Texte im „lauter niemand“-Literaturlabor vorlesen. Die offene Lesebühne startet sonntags ab 21 Uhr in der Kulturkneipe Rumbalotte ( Metzer Straße 9), am Senefelder Platz. Solche Treffs sind beliebt bei Autoren, um Netzwerke zu bilden. Autorin Ruth Johanna Benrath rät, sich gezielt um Veröffentlichungen, Preise und Stipendien zu bewerben und so zu profilieren. „Wer da nichts vorweisen kann, hat kaum Chancen auf Resonanz“, sagt sie.
 
Litaffin – Literatur lesen, diskutieren, erleben /
19 Juni 2011
http://www.litaffin.de/veranstaltungen/48-stunden-neukolln-der-luxuslyrikdampfer/
48 Stunden Neukölln: Der LUXUSlyrikdampfer
 
Das Kunst- und Kulturfestival 48 STUNDEN NEUKÖLLN bot dieses Wochenende unter anderem die Gelegenheit, Lyrik auf dem Wasser zu erleben. Die Redaktion von “lauter niemand”, Berliner Zeitschrift für Lyrik und Prosa, lud 25 Dichter ein, auf der Spreeprinzessin zu lesen. Litaffin war um 16:00 Uhr an der Anlegestelle Wildenbruchbrücke, als sich das chilenische Literaturkollektiv Los Casagrande und das Berliner Projekt Los Superdemokraticos (LSD) zusammenschlossen und eine Stunde lang Lyrik auf Spanisch und Deutsch lasen.
Los Casagrande steht für “Intervention im öffentlichen Raum” – ein Ziel, das die Gruppe durch “Poetry Bombings” oder “Regen der Gedichte” realisiert.  Die Poeten Julio Carrasco, Cristobal Biamchi und Joaquin Prieto vertraten das Kollektiv. Sabine Scho, Rery Maldonado und Nikola Richter repräsentierten die LSD. Des Weiteren begleitete die stimmungsvolle Musik des Engländers Lee Thomas die Bootstour, was die internationale Atmosphäre zusätzlich betonte. 

Die Lesung fing mit Julio Carrasco an, dessen Texte das Publikum auf Lyrik einstimmten. Danach folgte Sabine Scho, die seit fünf Jahren in Sao Paulo lebt und deren Gedichte genau zur städtischen Kulisse passten. Leider wurde die Lesung wegen des Regens kurz unterbrochen, weil alle Besucher ins Trockene, in den unteren Raum des Bootes, flohen. Als die Lesung wieder einsetzte, suchten noch viele nach Sitzplätzen, was das Zuhören erschwerte.
Trotz der Unterbrechung gewann die Lesung schnell wieder an Tempo. Es wurden Texte präsentiert, die teilweise kollektiv geschrieben wurden und die Zusammenarbeit der zwei Gruppen aufzeigten. Die “totale Befreiung der Menschheit” wurde ausgerufen, das begeisterte Publikum stieg schließlich sogar in den Ruf “Bildersubjekte!” ein.

Das Lesungskonzept war tatsächlich sehr innovativ – keine Wasserglas-Lesung. Hier wurde die Gelegenheit ergriffen, dynamische Lyrik erleben zu lassen, unabhängig von  der eigenen Herkunft – und die Veranstaltung war sogar umsonst. Die Energie, die durch die Kooperation zwischen Los Casagrande und Los Superdemokraticos erzeugt wurde, hat die Lesung noch schöner gemacht, da man sehen konnte, wie wertvoll und wichtig interkulturelle Zusammenarbeit für Kunst und Kultur ist.

Die Reaktionen des Publikums waren weitgehend positiv: “Ein sehr schönes Konzept, man konnte sich schön entspannen.”, meinte eine Kommilitonin. Aber perfekt gelaufen ist die Lesung nicht für jeden: Jörg Sundermeier, Verleger des Verbrecher Verlags, merkte an, dass es “ein bisschen schade ist, dass [die Lesung] ins Wasser gefallen ist und dass einige Leute da waren, um nicht zuzuhören”.

Vom Masterstudiengangs "Angewandte Literaturwissenschaft" der FU Berlin
 
 
tagesspiegel - SCHREIB Waren / 13.06.2011
http://www.tagesspiegel.de/kultur/lumpensammler-und-leichtmatrosen/4280852.html
Lumpensammler & Leichtmatrosen
Von Elke Brüns
Literatur beschäftigt sich mit allen Untiefen, die das Leben so bietet. Doch rezipiert wird sie meist in gediegenem Ambiente, dessen Vorbild der literarische Salon ist. Hier lauscht man Höherem, Geistigem, eben Erlesenem. Manche Dichter haben ganz andere Selbstbilder erfunden. Der Autor sei ein Lumpensammler, fand etwa Charles Baudelaire, näher an den gesellschaftlichen Verachteten als an der Bourgeoisie. Grund genug, einen untypischen Veranstaltungsort aufzusuchen.
...
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Am Freitag startet auch das Poesiefestival. Bleiben wir mit Baudelaire auf der Straße und werden Teil der sozialen Installation, die am Freitag um 17 Uhr, ab Samstag dann täglich ab 10 Uhr am U-Bahnhof Brandenburger Tor entsteht: Berliner Lyriker erschaffen in direktem Kontakt mit dem Publikum Gedichte. Und im Rahmen von 48 Stunden Neukölln – dessen diesjähriges Motto stadtteiladäquat „Luxus“ lautet! – kommen am Sonntag auch Wasserratten auf ihre Kosten: Stündlich von 11 bis 18 Uhr legt an der Brücke Wildenbruchstraße/Weigandufer die „Spree-Prinzessin“ ab. An Deck des Kahns lesen Lyriker. Bei freiem Eintritt reiner Lyrikluxus für alle: Ahoi, Lumpensammler und Leichtmatrosen!
 
 
BZ / 26.01.2011
http://www.berliner-helden.com/helden/in-dieser-sage-lesen-die-helden-selbst/
 
 
2009
 
taz.de / 22.Oktober 2009
http://www.taz.de/regional/berlin/aktuell/artikel/1/politik-zur-haelfte-gereimt/
Preis für politische Lyrik
Politik zur Hälfte gereimt
691 Autoren wollen den neu ausgeschriebenen Preis für politische Poesie. Bei der Vergabe in Kreuzberg wird klar: Keins der Gedichte ist kämpferisch oder gar visionär
VON DETLEF KUHLBRODT
 
Zunächst kam einem die Sache ziemlich absurd vor: Die Berliner Zeitschrift Lauter Niemand, die mit einer 8.000er-Auflage eine der auflagenstärksten Literaturzeitschriften in Deutschland ist, hatte einen Preis für politische Lyrik ausgelobt, der Mittwochabend im Kreuzberger "Max & Moritz" an der Oranienstraße verliehen wurde.
Die Zeit, in der politische Lyrik populär war, in der in Jugendzimmern Erich-Fried-Gedichte die Gesinnung der Bewohner herausposaunten - "Seid Sand, nicht das Öl im Getriebe der Welt", ist sehr lange vorbei. Selbst die im Umfeld ehemaliger DDR-Undergrounddichter wie Bert Papenfuß entstandene Lyrik, die bis Ende der 90er-Jahre in der politisch orientierten Zeitschrift Sklaven erschien (Sklaven variierte das Fried-Zitat zu: "Der Sand reicht uns schon jetzt bis zur Hüfte …"), kommt einem seltsam vergangen vor.
Dem Stifter des Preises, Jörn Sack, einem Literaturliebhaber, der sich als Jurist im Bundeswirtschaftsministerium um europäische Belange kümmert, sind die Probleme politischer Lyrik natürlich bekannt: Die Würde (und die Utopie) der Lyrik liegt in ihrer Zweckfreiheit; Politik hat es dagegen mit Zwecken zu tun; Gedichte, die politische Anliegen lautstark vermitteln, sind meist schlecht; usw. Dass auch scheinbar politikferne Werke durch die Hintertür sozusagen wieder politisch sind, lernt jeder Literaturwissenschaftsstudent via Walter Benjamin im ersten Semester und es verkompliziert die ganze Sache noch, wenn der politische Mehrwert sozusagen hinter dem Rücken und gegen die Intention von Dichtern entsteht.
Dass 691 Autoren, darunter 191 Frauen, viele auch aus Osteuropa, zur Hälfte in Reimform verfasste Werke einsandten, hat vermutlich nicht so sehr mit dem Thema des Wettbewerbs zu tun, sondern eher mit dem Internet. Dass kein einziges Gedicht "eine kämpferische oder gar visionär ausgerichtete Note anschlägt" (Sampler des Preises) und die Texte die politischen Zustände nicht loben, ist nicht überraschend, dass der Veranstaltungssaal des "Max & Moritz" aus allen Nähten platzte, dagegen schon.
Einerseits schreiben tatsächlich sehr viele Leute Lyrik, andererseits bestehe das Publikum von Lyrikveranstaltungen vor allem auch aus Dichtern, sagte René Hamann, dem später die mit 300 Euro dotierte Silbermedaille verliehen wurde. Die mit 500 Euro dotierte Goldmedaille gewann Herbert Laschet Toussaint (HEL), der in seinem Brotberuf in der "Altenpflegerei" arbeitet und in seinen Texten am deutlichsten Missstände anprangerte. 200 Euro und Bronze gingen an den Kölner Achim Wagner, der gerade in Istanbul weilt. Außerdem lasen an diesem Abend vier weitere Autoren, die in die engere Auswahl gekommen waren. In der weiteren Auswahl wurde auch der in den 90er-Jahren berühmte ehemalige Bürgerrechtler Lutz Rathenow lobend erwähnt.
Die präsentierten Texte unterschieden sich im Grunde genommen nicht von denen, die auf anderen gut besetzten Lyrikveranstaltungen verlesen werden. Das war zu erwarten gewesen und schien nur den Stifter des Preises ein bisschen enttäuscht zu haben. Einerseits lasen zu viele Dichter viel zu kurz, andererseits hätte man von jedem einzelnen gern mehr gehört: ein kaum zu lösendes Dilemma.
Zumindest ein lustiges Gedicht - von Lars-Arvid Brischke - war auch dabei und handelte von "184 Krawatten für Gerhard Schröder". Die "wiedererkennungskrawatte für frogs (friends of gerhard schröder)" gefiel mir dabei am besten.
 
 
taz.de / 21.Oktober 2009
http://www.taz.de/1/archiv/print-archiv/printressorts/digi-artikel/?ressort=tp&dig=2009%2F10%2F21%2Fa0078&cHash=26b1350c7d
Doch ein lyrischer Zugang zur Politik
 
Also gut, es soll gleich zugegeben sein, dass es sich hier auf dieser Seite eigentlich um die klassische Text-Bild-Schere handelt: Weil der im Bild bejubelte Kim Il Sung schon ein einigermaßen krudes Verständnis vom Zusammenspiel zwischen Kunst und Politik vermittelt, um das es beim "lauter niemand preis für politische lyrik" bestimmt nicht gehen soll. Einen Lobgesang auf politisches Führungspersonal im nordkoreanischen Stil, wie er hier halt nur mal als Blickfang dient, muss man nicht fürchten bei dem von der Literaturzeitschrift Lauter Niemand erstmalig ausgelobten Preis, mit dem lyrische Werke in deutscher Sprache ausgezeichnet werden, "die sich mit Politik oder gesellschaftspolitischen Themen im weiteren Sinne befassen. Diese Themen sollen mit den literarischen Mitteln, welche Gedichte, Lieder, Versdramen oder Ähnliches bieten, unter originellen Gesichtspunkten betrachtet oder auf wesentliche Aussagen zugespitzt in die öffentliche Diskussion gebracht werden." Aus den Beiträgen von fast 700 Autoren haben jetzt die drei Juroren Ann Cotton, Bert Papenfuß und Björn Kuhligk die Preiswürdigen herausgelesen. Wer the winner is, erfährt man heute bei der Preisverleihung im Kreuzberger Max & Moritz. Gelesen wird auch, und dazu gibt es noch eine publikumsoffene Diskussion zum Thema "Welche Herrschaft braucht politische Lyrik?" TM
 
 
2008
 
NZ Nürnberger Zeitung: 28.März 2008
Fitzgerald Kusz und Helmut Haberkamm in Glasgow
Fränkische Mundart, übersetzt ins Schottische
von Donal McLaughlin
 
"Es hätte ein Scherz sein können, meinte Helmut Haberkamm, als er im Herbst 2007 plötzlich eine Mail mit der Bitte bekam, er möge im März 2008 im schottischen St Andrews am Poesie-Festival «StAnza» teilnehmen und mit seinem Dichterkollegen Fitzgerald Kusz zusammen lesen. Geplant sei außerdem ein zweitägiger Workshop mit zwei schottischen Dichtern an der Edinburgh University. Initiatorin sei die in Berlin lebende Amerikanerin Isabel Cole von der online-Literaturzeitschrift «no man’s land» beziehungsweise «lauter niemand».
Es war kein Scherz. Bald hieß es sogar, man hätte die englische Übersetzung von Haberkamm- und Kusz-Gedichten in Auftrag gegeben. Dafür wurde eine zusätzliche Lesung in der Partnerstadt Glasgow organisiert.
Das Programm war vollgepackt: Am Tag der Ankunft in Edinburgh ging es gleich am Abend nach Glasgow, wo in der berühmten School of Art eine zweisprachige Lesung stattfinden sollte. Haberkamm und Kusz lasen mit den beiden letzten Hermann-Kesten-Stipendiaten aus Glasgow – Donal McLaughlin (2006) und Donny O’Rourke (2004) –, und zwar als Teil des März-Programms des Dichtervereins «St Mungo’s Mirrorball» und mit der Unterstützung der Stadt Glasgow. O’Rourke las aus seinem Band «Im Wartesaal der Poesie» (Spätlese Verlag 2005) und schloss den Abend mit seinem Lied «Nuremberg Nights» ab.
Für den Übersetzer McLaughlin und die beiden Franken war der Abend auch eine Art Generalprobe für ihren Auftritt in St Andrews. Anwesend waren Dichter wie David Kinloch, Gerry Loose, Brian Whittingham, James McGonigal und Gerrie Fellows sowie die neue Kesten-Stipendiatin Zoe Strachan. Man freute sich, dass das Publikum so zahlreich erschienen war, denn in Glasgow lief gleichzeitig das Literaturfestival «AYE WRITE», und in St Andrews fand der große Eröffnungsabend von «StAnza» statt, und zwar mit «Dichtern aus Glasgow» als einem thematischen Schwerpunkt.
Am Donnerstag und Freitag stand Edinburgh auf dem Programm. Die Franken trafen sich mit Alexander Hutchison und Robert Alan Jamieson, Dichtern, die «Scots» beziehungsweise «Shetlandic» schreiben. Man tauschte sich aus: über die dichterischen Intentionen, die Rolle des Dialekts beim Aufwachsen.
Im anderen Dialekt entsteht das ursprünglich fränkische Gedicht wieder. Aus «Neia Reifn drauf» wird beispielsweise «Njoo Quhiels On»; aus «es meer schbrichd middi felsn» «the sea claiks to the craigs».
Höhepunkt war der Samstag mit der Lesung im Supper Room der Town Hall, zweisprachig und mit vielen Lacherfolgen. Es schlossen sich Gespräche mit dem Publikum im Saal an – und dann in den Gängen und sogar auf der Straße. Da war es doch erfreulich zu hören: «Normally, I am not interested in translations – but this was really good!» Am Sonntag schließlich reagierten Haberkamm und Kusz, mit Hutchison und Jamieson, auf die im Voraus eingereichten Übersetzungsversuche des Publikums.
Ein großes Kompliment: Die fränkischen Dichter kamen in Schottland richtig gut an. Wundern sollte man sich eigentlich nicht. Um den Milanese schreibenden, italienischen Dichter Franco Loi zu zitieren: den Terminus «Mundartdichter» sollte es vielleicht nicht geben, vielmehr sollte es einfach nur «Dichter» heißen. Wichtig ist, dass das, was man schreibt, gut ist. Haberkamm und Kusz haben – auch in diesem Sinne – in Schottland blendend bestanden."
 
 
NÜRNBERGER NACHRICHTEN: 27.März 2008
Einen Hauch von schottischem Frühling schnuppern
Mundart-Dichter Fitzgerald Kusz war bei einem Poetenfest in St Andrews zu Gast - Lesungen und Übersetzer-Werkstatt
Von Fitzgerald Kusz
 
"Franken liegt bekanntlich nicht am Meer: Da kommt eine Einladung zum Lyrikfestival nach St Andrews ganz gelegen. Der Nürnberger Mundart-Dichter Fitzgerald Kusz hat seine Erlebnisse an der Ostküste Schottlands für uns aufgeschrieben.
Als ich vor einem Jahr eine E-mail mit einer Einladung zu «StAnza – Scotland’s Poetry Festival», dem Lyrik-Festival von St Andrews, erhielt, dachte ich erst: Ein Franke in Schottland? Das muss ein Irrtum sein. Aber bald stellte sich heraus, dass die seit zwölf Jahren in Berlin lebende Amerikanerin Isabel Cole bei ihrer Internet-Recherche auf meinen Autoren-Kollegen Helmut Haberkamm und mich gestoßen war.
Isabel Cole gibt die Literaturzeitschrift «lauter niemand» mit heraus und betreut vor allem deren englische Ausgabe «no man’s land», die zeitgenössische deutsche Lyrik und Prosa einem globaleren Leserkreis näherbringen will.
Im Zusammenhang mit den Lesungen in St Andrews sollte an der Universität von Edinburgh eine Übersetzer-Werkstatt stattfinden, die sich mit dem Problem des Übersetzens von einem Dialekt in den anderen – also vom Fränkischen ins Schottische und umgekehrt – auseinandersetzen sollte. Wir schickten Gedichte hin und her. Das Goethe-Institut der Partnerstadt Glasgow war dann auch gleich mit im Boot. Der Hermann-Kesten-Stipendiat Donal McLauglin übersetzte unsere Texte ganz wunderbar ins «Hochenglische» und arrangierte unter dem Motto «Glasgow meets Nürnberg» eine Lesung im «Poetry Club», an der auch Donny O’ Rourke – ebenfalls Kesten-Stipendiat – teilnahm.

Dichterische Schwerstarbeit

>In Edinburgh schließlich war «Schwerstarbeit» angesagt. Helmut Haberkamm und ich bekamen jeweils einen schottischen Kollegen zugeteilt, von dem wir Gedichte ins Fränkische übersetzen mussten und der wiederum Texte von uns in «Scots» zu übertragen hatte.
Der «Aischgründer» Haberkamm musste mit Robert Alan Jamieson, einem von den Shetland-Inseln stammenden Dichter, zusammenarbeiten, dessen «nordisch» anmutende Gedichte vom Meer, dem Fischfang und dem rauen Shetland-Klima handelten. Und siehe da, die beiden fanden sehr schnell eine Basis: Jamieson konnte sich in Haberkamms Gedicht mit der universellen Problematik «Identität» wiederfinden.
Ich arbeitete mit dem Glasgower Poeten Alexander Hutchison zusammen, der für mein konkretes Nürnberger Liebesgedicht «lou/ ä/ mall/ denn/ roll/ loo/ roo…» ein schottisches Gegenstück finden musste. In St Andrews wurden die Texte schließlich im Rahmen des Lyrik-Festivals in einer Lesung und einer Übersetzer- «masterclass» präsentiert.
Das Bilderbuchstädtchen St Andrews zeigte sich von seiner schönsten Seite. Ein Hauch von schottischem Frühling lag in der Luft. Und alles vor der atemberaubenden Kulisse des Meeres, nach dem wir fränkischen Dichter uns verzehren: «Frankn lichd nedd am Meer»!
Die Früchte unserer Arbeit werden in der im Spätherbst in Berlin erscheinenden Ausgabe von «no man’s land» zu lesen sein."
 
 
2007
 
Berliner Stadtmagazin Zitty: 18. November 2007
Literaturfest; 8. Ausgabe von lauter niemand
Unter: zittylights
 
„Einen Leseabend halten lauter niemand zwar jeden Sonntag in ihrem Literaturlabor in der Fehrbelliner Straße ab. Dass die Lyrik und Prosa, die man hier goutieren kann, als Zeitschrift erscheint, ist jedoch ein Ereignis, das verhältnismäßig selten eintritt. Die letzte Ausgabe kam zum 10jährigen Jubiläum im Oktober 2006 heraus. Das Erscheinen von Nummer 8 hat also eine zünftige Feier verdient. Mit von der Partie sind wieder junge, bisher zu Unrecht eher unbekannte Autoren aus ganz Deutschland und vor allem aus Berlin. Lyrik gibt es etwa zu hören von Ann Cotton, die Anfang dieses Jahres ihren ersten Gedichtband „Fremdwörterbuchsonette“ veröffentlichte und von Annina Luzie Schmidt, der Gewinnerin des diesjährigen „Wortlaut“- Wettbewerbs. Für die Prosa- Fraktion sind unter anderem im Boot: Der gebürtige Schotte und Wahl- Münchner Joseph Danaghie, der an einem mehrteiligen Roman mit dem Titel „A Psychosexual Symphonie“ arbeitet und Katharina Bendixen, die es mit dem Berliner open mike vor zwei Jahren in die Endrunde schaffte. Auch die Männer und Frauen aus der „lauter niemand“- Redaktion, Ernesto Castillo, Clemens Kuhnert, Adrijana Bohocki und Isabel Cole (Foto) werden sich natürlich die Ehre geben.“
 
 
Tagesspiegel: 05. November 2007
Die Goldsucher; Klein aber frei sein, Literatur muss dabei sein: die Szene junger Kulturmagazine
Von Manuel Gogos
 
"Was tun kleine Literaturmagazine, wenn sie groß rauskommen wollen? Sie versammeln sich geschlossen im Kölner Szene-Schuppen Hallmackenreuther, diskutieren strukturelle Probleme der Akteure, befeuern sich gegenseitig, proklamieren dann, sich zu vernetzen, gleichzeitig aber ihr individuelles Profil zu schärfen, und laden die Öffentlichkeit ein, sich selbst ein Bild zu machen.
Zum ersten Mal haben sich am Wochenende freie, junge Literatur- und Kulturmagazine zu einer Messe getroffen. Ihr Ziel: Aufmerksamkeit. Die einladenden Papiere für neue Texte führen seltsame Namen wie „Bella Triste“, „sprachgebunden“, „Edit“, „das gefrorene meer“, „Kritische Ausgabe“ – eher old-school-getackert, „Lauter Niemand“, eine Erfolgsgeschichte aus dem Berliner Literatur-Labor, „Krachkultur“ und „Lose Blätter“ –, jeweils in Auflagen von 400 bis 1200 Stück. Die Veranstaltung in Köln, vom „sprachgebunden“-Redakteur Jan Valk maßgeblich vorangetrieben, ist durch den Deutschen Literaturfonds und die Kulturstiftung der Stadtsparkasse Köln gefördert worden. In ökonomischer Hinsicht bleibt die Produktion der Hefte trotzdem mehr als prekär, jedes Heft eine creatio ex nihilo, die Projekte allesamt „Himmelfahrtskommandos“.
Fast alle Blätter sind Text-Bild-Projekte, neben den Buchstabenformationen laufen Bildstrecken mit: Hier erscheint die Verarbeitung eines Motivs (ein dicklicher Junge angelt im weiten trocknen Feld, ein schmalschultriger schwebt im Profil mit einer Seilbahn an der Linie des Horizonts entlang) als feinkörniger digitaler Impressionismus, der ohne Weiteres zwischen Medien und Techniken flottiert. Die Verpackung besticht. Vor allem aber soll es um Texte gehen. Was diese Literaturzeitschriften besser können als irgendein anderes Medium, ist, die Grauzone auszuloten, wo seitens der Autoren die Angst vor dem weißen Papier zumindest zeitweise beherrscht wird, wo die Werke aber noch nicht das gnadenlose Tageslicht der Öffentlichkeit ertragen müssen, stattdessen eine Ehrenrunde durch den Kreis der Insider drehen dürfen.
Es ist das Argument der Entdeckerfreude, das am vehementesten vorgetragenen wird, wenn es darum geht, der literarischen Goldsucherszene ihre Legitimation zu verschaffen. Etwa, wenn ein paar Gedichte von Baudrillard erstmals ins Deutsche übertragen werden, oder wenn man einige völlig unbekannte Kafka-Zeilen wiederentdeckt. Und dann werden, wie um sich im Räderwerk des Literaturbetriebs selbst Mut zuzusprechen, immer wieder die Namen jener Autoren rezitiert, die man selbst herausgesiebt hat.
In der „Krachkultur“ reüssierte Sasa Stanisic, lang bevor er es mit „Wie der Soldat das Grammofon repariert“ auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises schaffte. Und Jörg Albrecht hatte in „Bela Triste“ sein Coming Out, als die Bachmannpreisrichter sich einen Sound à la Rolf Dieter Brinkmann in der Gegenwartsliteratur nicht einmal vorzustellen vermochten. Die aus dieser Grauzone erwachsen sind, lassen sich als Zugpferde solidarisch vor den Karren spannen (die Szene erhält sich selbst) in der heraufdämmernden „Nacht der Magazine“.
Jörg Albrecht, der Ingeborg Bachmann-Preis-Nominierte, liest querbeet über den Brüsseler Platz einen Text über die Generation Super 68, in dem Josef Bachmann (nicht verwandt) Dutschke die Kugel gibt. Albrecht führt ein handliches oranges Megafon bei sich, das an dramaturgischen Schnittstellen zum Einsatz kommt. Die abgelesenen „Losen Blätter“ verstreut er hinter sich im milden Abendwind. Die preisverdächtigen Sätze aus medialem Kruppzeug wie Netzhäuten und Augäpfeln hallen von der Kirchenwand St. Michael wider, bis sie sich dem Publikum hinterrücks ins Ohr bohren.
Ein bisschen Glanz verbreiten sie schon, die grauen Stars. Wer ist Jörg Albrechts Typberater? Auch Sasa Stanisic kann sich anziehen. Er freut sich auf seine erste Übersetzung in die Materialität chinesischer Schriftzeichen, lang liegen sich Autor und Übersetzerin in den Armen. Die Auswahl der Garderobe, die Gestaltung von Inneneinrichtungen sowie die Konstruktion von Abenden erweist sich bei diesem Stelldichein junger Literaturmagazine als tragfähige Strategie. Selbst die Penner, die auf ihrem Fahrrad angeschnorrt kommen, sehen hier im Belgischen Viertel irgendwie hip aus. Und auch sie scheinen sich für junge Literaturmagazine zu interessieren, hören den Avantgardisten andächtig zu. Und so ist es wie ein leises Flehen, das sich zwischen den Zeilen aus dem Schatten der einstigen Notkirche Kölns entringt: „Lauter Niemand“, erhöre uns."
 
 
Small Press Review: Juni 2007
 
(Sinngemäße Übersetzung von Isabel Fargo Cole)
 
„…Diese englischsprachige Ausgabe von "lauter niemand" gibt Englisch Sprechenden Einblick in die Berliner Literaturszene. Sie wird vom Goethe Institut vertrieben und präsentiert Lyrik und Kurzprosa im Zeitungsformat. Das unprätentiöse Design und die sachliche Präsentation waren erfrischend und spiegelten diese alternative "grass-roots" -Literatur wider. …“
„…Die vielfältige Stimmen in dieser Zeitschrift sind sich einig: es muss Literatur geben, damit die Turbulenz eines vereinten Berlins begriffen werden kann. Ich klatschte Beifall, als ich diese Zeitschrift zu Ende las, erfreut darüber, dass die Literatur mehr zu bieten hat, als die narzisstischen Lamentos der amerikanischen Stimme. Lest die Zeitschrift wegen des Reichtums der Arbeit und des Einblicks in die Welt. Ihr werdet auch Beifall klatschen. …“
 
 
Transsript Review: Januar 2007
Auf: http://www.transcript-review.org/sub.cfm?lan=en&id=4784
FOUND IN TRANSLATION
 
“Two exciting new resources for lovers and translators of German literature: no man's land and literaturport.de.
The pilot issue of no man's land was launched on December 7, 2006. A special English 10th anniversary edition of the alternative Berlin literary magazine lauter niemand, it features acclaimed young writers such as Hendrik Jackson and Uljana Wolf. For the translations, the project has drawn on the talents of the local Anglophone literary scene, organizing a translation workshop at the Literarisches Colloquium Berlin. The print edition is available internationally at Goethe Institutes, other cultural institutions and expat bookshops, while the online edition, at www.no-mans-land.org, is also designed as an information resource for literature enthusiasts, translators and those interested in expat cultural initiatives. The project is sponsored by Berlin's Culture Senate. …”
 
 
Berliner Zeitung: 12. Januar 2007
Unter: Berlin Kultur
Lust zu Lesen
von Dirk Engelhardt
 
„…Lauter Niemand: An Nachwuchs mangelt es der Redaktion nicht: Seit 10 Jahren schon besteht das handliche Magazin im Zeitungsformat, das von der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur gefördert wird. Liebhaber von Lyrik kommen hier auf ihre Kosten, denn die Hälfte des Blattes ist dieser Dichtkunst gewidmet. In der Ausgabe zum zehnjährigen Jubiläum finden sich zahlreiche Erfolgsstorys: Viele bekannte Autoren, die erstmals ihre Werke in „lauter niemand“ veröffentlichten, werden vorgestellt. Eine Instanz ist das Literaturlabor des Magazins, mit den sonntäglichen Lesungen. …“
 
 
Deutschlandradio Kulturkurier: Dezember 2007
Auf:http://www.dradio.kulturkurier.de/veranstaltung_njs.php?r=3&va=76453
no man's land, Berliner Literaturzeitschrift
 
„…Am Donnerstag, dem 7. Dezember, um 20 Uhr wird im Ballhaus Ost, Pappelallee 15, 10437 Berlin, die englischsprachige Ausgabe der Berliner Literaturzeitschrift „lauter niemand" präsentiert. „no man's land" stellt junge Autoren und Übersetzer vor.
„no man's land" wird sowohl international – u. a. durch das Goethe-Institut – vertrieben als auch online zu lesen sein. Auf diese Weise wird deutsche Literatur junger Autoren einem englischsprachigen Lesepublikum zugänglich gemacht. Die Onlineausgabe soll auch als Portal für Information und Austausch zwischen deutsch- und englischsprachigen Autoren, Lesern und Übersetzern dienen. „no man's land" wurde durch den Hauptstadtkulturfonds unterstützt.
Am Donnerstag stellen fünf LyrikerInnen – Andrej Glusgold, Orsolya Kalász, Ron Winkler, Daniel Falb und Ulf Stolterfoht – sowie die Übersetzerin Donna Stonecipher ihre Texte sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch vor. Die Moderation übernimmt der englische Lyriker und Übersetzer Alistair Noon. Live-Musik kommt von Jim Avignon. …“
 
 
Die Berliner Literaturkritik: 6. Dezember 2007
http://www.berlinerliteraturkritik.de/index.cfm?id=13627 © Die Berliner Literaturkritik, 06.12.06
Grenzgänger im Niemandsland
Berlins neue englischsprachigen Literaturmagazine „Bordercrossing Berlin“ und „no man’s land
Von Anja Peglow
 
„BERLIN (BLK) Innerhalb weniger Wochen feiern gleich zwei englischsprachige Literaturzeitschriften in Berlin ihr Debüt. Am 7. Dezember wird die auch auf Englisch erscheinende Jubiläumsausgabe der Literaturzeitschrift „lauter niemand“ mit dem Titel „no man’s land“ um 20 Uhr im Ballhaus Ost im Prenzlauer Berg vorgestellt.

Brückenschlag im „no man’s land“
Anlässlich des zehnten Jubiläums der Berliner Autoreninitiative „lauter niemand“ wurde die aktuelle Ausgabe des Magazin ins Englische übersetzt. Ziel ist, eine Brücke zwischen den Literaturszenen zu schaffen und somit einem englischsprachigen Publikum die Möglichkeit geben Zugang zu einer (jungen) deutschen, unkonventionellen und sehr lebendigen Literaturszene zu finden. Darum wird die Zeitschrift auch international – durch das Goetheinstitut – und als Online-Ausgabe erhältlich sein.
Bei der Präsentation der Zeitschrift am Donnerstag werden die fünf LyrikerUlf Stolterfoht, Daniel Falb, Andrej Glusgold, Ron Winkler, Orsolya Kalasz sowie die Übersetzerin Donna Stonecipher aus ihren Werken vorlesen. Moderiert wird die Veranstaltung vom englischen Lyriker und Übersetzer Alistair Noon. Jim Avignon wird die Live-Musik beitragen. …“
 
 
Tagesspiegel: 3. Dezember 2007
Unter: ZeitSCHRIFTEN
Lauter Jemande
über die Keimzelle der jungen deutschen Dichtergeneration
von Gregor Dotzauer
 
„Auf einmal ist sie da, und keiner weiß so recht, woher sie gekommen ist: eine neue Generation von deutschen Dichtern, die alle Preise und Stipendien gewinnt, sich als lockerer Verbund begreift und dabei in den verschiedensten Zungen spricht. Was hätten Ron Winkler und seine Landschaftsvermessungen (Leonce-und-Lena-Preis 2005), Daniel Falb und seine durchnummerierten Versatzstückmontagen (Lyrikdebütpreis des LCB 2005) und Uljana Wolf mit ihren Shakespeare-Variationen (Peter-Huchel-Preis und Dresdner Lyrikpreis 2006) gemeinsam? Höchstens den Enthusiasmus für Poesie im Allgemeinen, ein Alter mehrheitlich um die dreißig und eine Wohnung in Berlin. Und, halt, eine Begegnung in den Kreisen von „lauter niemand“ (www.lauter-niemand.de), einer seit zehn Jahren und sieben Ausgaben bestehenden Berliner Literaturzeitung, die auch Lesungen und ein Literaturlabor mit offener Bühne veranstaltet (jeweils sonntags um 20.30 Uhr im Theaterhof Fehre6, Fehrbellinerstraße 6).
Es ist die Keimzelle einer ganzen Szene, wie sie die Basis von Jan Wagners und Björn Kuhligs DuMont-Anthologie „Lyrik von jetzt“ bildet – und das Herzstück der Autoren von Daniela Seels Verlag kook books (Kurt-Wolff-Förderpreis 2006). Neben den drei anfangs genannten Dichtern veröffentlichen dort auch von lauter Niemanden längst zu Jemanden aufgestiegene Autoren wie Hendrik Jackson, Monika Rinck und Steffen Popp.
Warum „lauter niemand“, im Gegensatz zu allem, was daraus wurde, öffentlich dennoch nur ein Schattendasein fristet, hat vermutlich damit zu tun, dass die Zeitung erstens so heißt, wie sie heißt. Zweitens ist sie an Layoutfragen so offensiv desinteressiert ist, dass „motz“ und „straßenfeger“ dagegen wie Hochglanzprodukte wirken. Gegen Letzteres lässt sich etwas unternehmen. Ersteres aber lässt sich zumindest erklären. Der Titel geht zurück auf einen 1913 in Franz Kafkas „Betrachtung“ erschienenen Prosasplitter „Der Ausflug ins Gebirge“.
„Ich würde ganz gern“, heißt es darin, „einen Ausflug mit einer Gesellschaft von lauter Niemand machen. Natürlich ins Gebirge, wohin denn sonst? Wie sich diese Niemand aneinander drängen, diese vielen quer gestreckten und eingehängten Arme, diese vielen Füße, durch winzige Schritte getrennt! Versteht sich, dass alle in Frack sind. Wir gehen so lala, der Wind fährt durch die Lücken, die wir und unsere Gliedmaßen offen lassen. Die Hälse werden im Gebirge frei! Es ist ein Wunder, dass wir nicht singen.“
Zum Zehnjährigen ist in einem Workshop mit Übersetzern und dichtenden expatriates wie Alistair Noon nun eine englische Version der Jubiläumsausgabe entstanden. Das „no man’s land“ (www.no-mans-land.org) wird am 7.Dezember um 20 Uhr im Ballhaus Ost, Pappelallee 15, vorgestellt. Die Mehrheit der poetischen Minderheiten sucht eben auch international Gesellschaft.“
 
 
2006
 
Expatica: 8. November 2006 / Auf:
http://www.expatica.com/actual/article.asp?channel_id=2&story_id=34229
Berlin expats launch new literary initiatives
Interview von Gordon Smith
 
“Berlin's Anglophone creative writing scene is livelier than ever. David Gordon Smith speaks to three Berlin-based expat writers who have launched ambitious new projects.
Berlin has been associated with expat writers since the days of Christopher Isherwood. And the Anglophone writing scene is currently healthier than ever, as three new initiatives from Berlin-based expats show.

Building bridges
no man's land: Ernesto Castillo, Clemens Kuhnert, Adrijana Bohocki, Isabel Cole
One person who is already bringing English-language writers together with young German writers is the American expat Isabel Cole. She is the driving force behind 'no man's land', the English version of the 10th anniversary issue of the Berlin literary magazine 'lauter niemand'. …”

(Anm: Es folgt ein längeres Interview mit Isabel Fargo Cole für lauter niemand)
 
 
Berliner Stadtmagazin Tip: 15.Oktober 2006
Highlights
 
„15.10.06: Kaum ein anderer Niemand war in den letzten Jahren so laut. Die 1996 gegründete Zeitschrift für Lyrik und Prosa "lauter niemand" feiert nun ihren zehnten Geburtstag. In der von Jim Avignon illustrierten Jubiläumsausgabe, die jetzt präsentiert wird, gratulieren und schreiben unter anderem Bert Papenfuß, Monika Rinck und Uljana Wolf.“
 
 
Berliner Stadtmagazin Zitty: 15.Oktober 2006
Zittylights
 
„15.10.06: Ein bißchen anstrengend sind sie schon, die wortspielerischen Namen von Berlins Lesebühnen und Literaturpodien. "lauter niemand" macht da keine Ausnahme. Dafür sorgen die Jungs und Mädels nun schon seit 10 Jahren für frischen Wind in der Berliner Lyrik- und Prosaszene - mit ihrem sonntäglichen Podium und vor allem mit der gleichnamigen Zeitschrift. Zum Geburtstag gibt's eine Jubiläumsausgabe mit Texten von Bert Papenfuß, Monika Rinck, Uljana Wolf und vielen anderen sowie Graphiken von Jim Avignon. Die wird heute auch vorgestellt.“
 
 
2003
 
Auf kurze Distanz
Die Autorenlesung: O-Töne, Geschichten, Ideen, Hrsg. Thomas Böhm, Tropen Verlag 2003
Oft geht es die Treppe hinab, seltener auch eine Treppe hinauf
Von Monika Rinck
 
„…
Literaturlabor Lauter Niemand
Der Name dieses Berliner Autoren Netzwerks wurde bei Franz Kafka entliehen: »Ich weiß nicht,« rief ich ohne Klang, »ich weiß ja nicht. Wenn niemand kommt, dann kommt eben niemand. Ich habe niemandem etwas Böses getan, niemand hat mir etwas Böses getan, niemand aber will mir helfen. Lauter niemand. Aber so ist es doch nicht. Nur daß mir niemand hilft -, sonst wäre lauter niemand hübsch. Ich würde ganz gern - warum denn nicht - einen Ausflug mit einer Gesellschaft von lauter Niemand machen...«
Neben Lesungen veranstaltet Lauter Niemand jeden Sonntag im Hinterzimmer der Restauration Waiden ein offenes Autorenforum - und an Hinterzimmern herrscht im Waiden kein Mangel. Einen in jeder Hinsicht spektakulären Koch gibt es dort auch. Dem stabilen Gefüge der Offenen Lesebühne aus Stammpublikum und Moderatoren ist eine vorbildliche Internetseite und eine Zeitung angedockt, die von Clemens Kunert von Lauter Niemand gerne als »die Zeitung, die niemals erscheint« attribuiert wird. Aber das stimmt gar nicht.
Clemens Kunert ist überhaupt einer der besten Moderatoren, die ich kenne, einer der sprödesten und treffsichersten - das Zauberwort heißt Timing. Warum mehr Worte machen? Das machen die anderen. Mit der zurückgenommenen Würde eines frühzeitig habilitierten Altphilologen sitzt er da, die Beine übereinandergeschlagen, und kann warten. Und später stellt sich dann heraus, daß er auch sprechen kann. Just great.
Es wird gelesen. Die Diskussion beginnt. Schubladen öffnen sich und schließen sich wieder. Es gibt nicht nur ein Stammpublikum, sondern inzwischen auch ein Stammpublikum, das über Stammplätze verfügt. Man weiß demnach, welche Meinung aus welcher Richtung zu erwarten ist. Schwabenkriege werden ausgefochten, punische dito. Es begegnen sich ewige Gutsherrenromane, Lyrik, Leiber, Gutes, Schlechtes, Zwischenstufen. Das alles gibt es also. Selbsternannte Metrik-coaches werfen das Handtuch, ungefragt. In der Zwischenzeit wird soviel geraucht wie möglich. Es wird dunkler. Lauter Niemand wirkt zuweilen wie eine Sekte ohne Inhalt. Das Ganze hat manchmal etwas von einer Praxis im medizinischen Sinn - diese Wartestellung! -, und hin und wieder enthüllt die Offenheit der ganzen Unternehmung ihre Nachtseite. Unter dem sanften Blick der offenen Ermöglichung entstehen Haßlieben. Eine kombinierte Mogel-Öffentlichkeit ermöglicht Texte, ermöglicht Kontinuitäten, die eigentlich unmöglich sind. Manch einer liest dort jedesmal zum letzten Mal und kommt doch wieder. Es sind Beziehungen, denen es gelungen ist, sich in Hanglage, wie auch immer, auszubalancieren - und ein Gestalttherapeut hätte seine Mühe, so viele Förmchen aufzutreiben, um all jene Facetten ins Anschauliche zu übersetzen. Doch das sind Randerscheinungen.
Der Fetischcharakter, der jeder Form von Diskussionsveranstaltung anhaftet, wird auch hier immer wieder offenbar. Das liegt in der Natur der Sache. Dennoch ist es eine gute, lehrreiche und oft sogar überraschende Veranstaltung. Und daß eine Offene Bühne plus Diskussion eine Form des russischen Roulettes ist, sei dahingestellt, und zwar ins Sonnenklare.
Wenn es nach einigen Stunden vorbei ist, werden im vorderen Hinterzimmer die Tische zusammengeschoben und die Nachlese beginnt. Eine Tafel wie ein Gastmahl. Und was im Nebenraum von psychischer Implosion bedroht war, bestellt sich jetzt ein Getränk und macht einfach weiter. Da verfliegt der ein oder andere Schatten, der auf das Subjekt gefallen ist, und es wird schließlich heller. Am Ende tritt man auf die Straße und stellt fest, daß sich diese Luft noch atmen läßt. …“
 
 
Berliner Stadtmagazin Tip: September 2003
Unter: Bücher: Dichter und Denker
Ein Herz für die Dichtung …
drei Berliner Literaturzeitschriften und wer dahinter steht
Von Rainer Stolz
 
„… Am anderen Ende des Spektrums, doch im Ergebnis ebenfalls lesenswert, lässt sich die „Zeitschrift für Lyrik und Prosa": „lauter niemand" ansiedeln. Ihre Existenz zu behaupten ist für die quasi ehrenamtliche Redaktion, bestehend aus Adrijana Bohocki, Clemens Kuhnert, Ernesto Castillo und neuerdings Björn Kuhligk, immer wieder ein Kraftakt. Genauso normal wie die Sichtung Hunderter von Texten ist es für sie, wie für die meisten auf diesem Terrain, sich auch als unermüdliche Fundraiser zu betätigen. An ein Gehalt ist dabei nicht zu denken. An Honorare für die Beitragenden wird zwar gedacht, bloß gezahlt werden können sie nicht. Auch das ist bei den meisten Literaturzeitschriften so, eine von wenigen Ausnahmen bildet die „ndl". Das Standardmodell lautet: fröhliche Selbstausbeutung, „lauter niemand" - der Titel ist übrigens ein Kafka-Zitat -wird auf Zeitungspapier gedruckt, dem auch das Format entspricht. Nummer eins kam 1996 als Beilage des „Scheinschlags" heraus. Danach mochte man von der hohen Auflage (12.000) nicht mehr abrücken. Dass von der zweiten, selbständig erscheinenden Ausgabe immerhin ein Drittel verkauft wurde, ist auf den Straßen- bzw. Kneipenvertrieb zurückzuführen. Um den hat sich vor allem Adrijana Bohocki gekümmert. Zum Erscheinen der Nummer drei hatte sie jedoch ein Baby zu versorgen, und die Zeitschrift wurde zum Stiefkind degradiert. Das soll beim vierten Wurf nun der Bahnhofsbuchhandel ausgleichen. Finanzier ist diesmal ein privater Sponsor. Dem Inhalt merkt man an, dass die Redakteure sich besonders im Nachwuchsbereich auskennen. Als Betreiber des jeden Sonntag in der Restauration Waiden stattfindenden „literaturlabors" und als Autoren sind sie in der Szene lange schon aktiv, „lauter niemand" setzt sich mehr noch als andere Literaturzeitschriften die Aufgabe, ein Entdeckungsforum zu sein. Am 14. September soll dies auch mit der Release-Lesung im Magnet Club bewiesen werden. So werden aus lauter Niemands vielleicht bedeutende Jemands. ..“
 
 
2001
 
Schriftstelle: 2001
Aus: www.schriftstelle.de/vorort/vorort_11_.php?them=thema_8
Ernstzunehmen
von Tobias Lehmkuhl
 
“Einen bunten Abend kündigten die Herausgeber von "lauter niemand" an, als sie zur Finanzierungsfeier und Vorstellung der dritten Nummer der selten erscheinenden Literaturzeitung ins "bastard" luden. Tatsächlich gab es dann auch eine hübsche Mischung aus Gedichtlesung, Kurzfilmen, szenischer Lesung und Party. Selbstverständlich standen die Gedichte im Vordergrund, wobei überraschte, dass kein schlechtes Gedicht darunter war, was bei einer solchen Menge an Vorgetragenem sonst meist gang und gäbe ist. Es begann Markus Roloff, dessen schreibmaschinenhackige Vortragstechnik leider das Zuhören unmöglich machte und zur Zeitung greifen ließ, die im Eintrittspreis enthalten war und in der ein hübsches Gedicht von ihm zu finden ist. Es folgte Orsolya Kalász, die teils auf deutsch, teils auf ungarisch las und für mich eindeutig das Highlight des Abends war: stimmige Bilder und fesselnder Rhythmus. Daniel Falb nippte nervös aus seiner Afri-Cola, bestätigte dann aber einmal mehr, dass man in Zukunft wohl einiges von ihm erwarten kann, Bert Papenfuß las mit rauer Stimme Altbewährtes und Gerhard Falkner einen in Arbeit befindlichen Text, ein Zitatennetz der Langlyrik des 20. Jahrhunderts und in dem es bedenklich kalauerte, der aber auch die schöne Zeile enthielt: "all die Jahre in denen ich 18 war".
Trotz all dieser guten Texte und den wirklichen fantastischen Zeichentrickfilmen von Jim Avignon, die immer wieder für entspanntes Lachen sorgten, blieb die Veranstaltung jedoch seltsam schwunglos, so dass das "bastard" sich schon zu Beginn der szenischen Lesung eines Hörspiels von Claudius Hagemeister bedenklich geleert hatte und auch unsereins den Weg durch die kalte Nacht ins warme Bett suchte.
 
 
TAZ: 29.Dezember 2001
in: Berlin lokal
Gala-Auftritt im Schnee
von Kirsten Küppers
 
Geradezu ein Dinosaurier unter den in den letzten zehn Jahren entstandenen Kulturzeitungen: Seit 1996 versucht die Berliner Zeitschrift für Lyrik und Poesie "lauter niemand", junge Autoren zu fördern und sie einem größeren Publikum nahezubringen.
Die Zeitschrift trägt den Namen lauter niemand, nach einem Zitat von Franz Kafka: "Ich weiß nicht, rief ich ohne Klang, ich weiß ja nicht. Wenn niemand kommt, dann kommt eben niemand. Ich habe niemandem etwas Böses getan, niemand aber will mir helfen. Lauter niemand. Aber so ist es doch nicht. Nur dass mir niemand hilft - sonst wäre lauter niemand hübsch. Ich würde ganz gern - warum denn nicht - einen Ausflug mit einer Gesellschaft von lauter Niemand machen."
Eine schöne Referenz. In einem Mietwagen, der am Wochenende vor Weihnachten mit fünf Personen auf der A 7 von Berlin nach Mannheim fährt, hat es die "Berliner Zeitschrift für Lyrik und Prosa - lauter niemand" trotzdem schwer. Wie Kultur es ja immer schwer hat, wenn die Wucht aktueller Ereignisse die Aufmerksamkeit des Publikums übermäßig beansprucht. Auf den Straßen herrscht an diesem Tag Katastrophenalarm. Wegen der Schneefälle und der Staus. Manche Autos stecken 16 Stunden in der Kälte fest, sagt das Radio. Lastwagen sind umgefallen. Der ADAC teilt Decken und warmen Tee aus.
Es ist also nicht einfach für lauter niemand an so einem Tag. Noch dazu mit Lyrik und Prosa. Auch wenn die veröffentlichten Gedichte in Worte münden wie "Heute bin ich ein Husky mit glänzendem Achselschweiß" (Andrej Glusgold), die Texte mutige Anfänge wagen wie "Und jetzt fahre ich in die Stadt und FICKE EINEN ADLER!" (Juli Zeh), und überhaupt die meisten Sätze danach rufen, laut vorgelesen zu werden, weil sie als funktionierende Melodien erfunden wurden. …“
“lauter niemand existiert seit 1996 und ist damit nach Angaben der drei Herausgeber Adrijana Bohocki, Ernesto Castillo und Clemens Kuhnert der "Dinosaurier" unter den zahlreich entstandenen Berliner Kulturveröffentlichungen der letzten Jahre. Die Redaktion verfolge kein literarisches Konzept bei der Zusammenstellung der Texte, hatte die 32-jährige Adrijana Bohocki am Tag vor der Autofahrt am Telefon erklärt. Es gehe lediglich darum, "junge Autoren zu fördern und unter die Leute zu bringen". Aus 700 Einsendungen wähle man einfach die Beiträge aus, die am besten gefielen. Das Baby der Herausgeberin hatte dann kurz geschrien, und Bohocki rief später nochmal an.
lauter niemand erscheint alle sechs Monate in einer Auflage von 12.000 Stück, wovon jedoch die wenigsten Hefte tatsächlich zum Einzelpreis von 3,50 Mark verkauft werden. Adrijana Bohocki zieht zwar oft durch Ostberliner Kneipen. Die meisten Ausgaben würden jedoch umsonst verteilt, weshalb die Redaktion unter Geldproblemen leidet. lauter niemand finanziert sich nicht über Anzeigen, sondern allein über den Verkauf. Mittlerweile hat sich indes eine Stammkundschaft etabliert. Leserbriefe werden nicht selten in Gedichtform verfasst. Die Mitfahrer im Auto ziehen zur Unterhaltung trotzdem die Gala vor. Dort liest man Ausgefallenes über Prominente. Zum Beispiel, dass die Momo-Schauspielerin Radost Bokel inzwischen eine Karriere als HipHoperin anstrebt. Oder dass der Kinostar Brad Pitt und seine Gattin für ihren Urlaub gleich eine ganze Insel mieten. Die beiden Verliebten wollen sich nicht durch die Anwesenheit lästiger Mitmenschen gestört fühlen.
Bei lauter niemand gibt es, wie man sich denken kann, solche Hochglanzreportagen nicht. Das Blatt präsentiert sich in nüchternem schwarzgrau. Immerhin sind hier Namen aus der lokalen, nun ja, "Literaturschickeria", zu entdecken.
Zu den Autoren zählen der Schriftsteller und Betreiber der Tanzwirtschaft Kaffee Burger Bert Papenfuß, der bekannte Lyriker Jan Wagner, die junge Schriftstellerin Juli Zeh, die mit ihrem Roman "Adler und Engel", in diesem Jahr ein hübsches Aufsehen erregt hat, sowie ihre Kollegin Monika Rinck, deren allegorischer Fortsetzungsroman "die welt ist ein hotel aber ein schlechtes" demnächst als Buch erscheinen wird. Adrijana Bohocki hat erklärt, diese Namen seien die "Zugpferde" von lauter niemand. Sie hätte auch keine Schwierigkeiten Günter Grass zu veröffentlichen, wenn er denn was schicken würde.
Das Radio warnt "Achtung Autofahrer! Auf der A 9 Richtung Nürnberg befinden sich verwirrte Fußgänger auf der Fahrbahn!" Um sich die Füße zu vertreten und weil es wegen dem Stau sowieso nicht weiterzugehen schien, sind viele Autofahrer aus ihrem Wagen gestiegen. Im Schneetreiben finden sie nun ihr Fahrzeug und die Familie nicht mehr. Um trauriges Verlorengehen in einer Schneeverwehung zu vermeiden, löst die 22-jährige Mitfahrerin im Auto das Gala-Kreuzworträtsel. lauter niemand hat sie weggelegt: "Schluss mit den Penis- und Macho-Gedichten der Siebzigerjahre", hat sie gesagt. "Wir sind schon frei genug!". Mit großer Ernsthaftigkeit trägt sie nun mit Kugelschreiber die Buchstaben in die Kästchen des Kreuzworträtsels ein. Es gibt ein Wochenende auf einer Wellnessfarm zu gewinnen. Nebel ist auf die Straße gesunken, eine Kette aus roten Rücklichtern kündigt weiteren Stillstand an, die Kartoffelchips sind alle. "Irgendwie geht immer die Zeit rum." Es sind gute Sätze wie dieser von dem Schriftsteller Martin Bettinger, die einem an solchen Tagen im Kopf hängen bleiben; mit den Gedanken eigene Schleifen fahren, während sich der Schnee vor der Autoscheibe in hypnotisierenden Wirbeln dreht. Sätze, die flüchtigen Momenten eine schöne Bedeutsamkeit verleihen. Das Radio sagt, bei Nürnberg sei eine Frau nach 12 Stunden im Stau stehen durchgedreht. Sie wurde mit einem Krankenwagen in eine bayerische Klinik transportiert.
Das Mietauto erreicht nach 26 Stunden seinen Zielort. Nur einmal hatte A.s Funktelefon auf der Fahrt geklingelt; als ihr Vater betrunken aus einer Kneipe anrief.
Irgendwie geht immer die Zeit rum. „
 
 
Berliner Lesezeichen: Februar 2001
© Edition Luisenstadt, 2001
Literatur zum Hören, Sehen, Darüber-Reden
Die Restauration Walden im Prenzlauer Berg
Von Gudrun Schmidt
 
Literarischer Salon, Literarisches Menü, Kindertheater, Film & Lesung oder Spezialitätenwochen - die Restauration „Walden“ mit der freundlichen Sonne über der Eingangstür in der Choriner Straße 35 hat viele Facetten. Jeden Sonntagabend, wenn es im „Literaturlabor - Lauter niemand“ zur Sache geht, knistert's vor Spannung. Jeder kann hier seine Texte vorstellen und anschließend mit dem Publikum darüber diskutieren. Der Raum ist proppenvoll. Der Moderator muß nicht lange auf „Kandidaten“ warten. Ein junger Mann geht zum Podium, liest Gedichte. Verse über die Liebe, die Natur, eine Hommage an die vergessenen Dichter. „Der Ruf der Parzen“ - so ein Titel.
Wenn Lyrik auf dem Prüffeld steht, machen Handzettel im Publikum die Runde. Dichters Wort zum Nachlesen und besseren Verständnis. Nur der Name des Poeten ist nicht vermerkt. Das gehört bei „Lauter niemand“ zum Konzept. Unvoreingenommen und ohne Ansehen der Person soll diskutiert werden. Kommt anderswo manchmal nach Lesungen das Gespräch nur mühsam und verhalten in Gang, wird hier schnell Klartext geredet. Der Autor hat an diesem Abend allerhand einzustecken. Die Debatte entzündet sich vor allem an der Sprache. Sie sei altertümelnd, geborgt, bei dieser Art zu schreiben, werde er sich bald in einer Sackgasse verrennen, oder er solle doch gleich Schlagertexte verfassen. Der junge Mann nimmt es gelassen, verteidigt sich, Gefühle seien seit ewigen Jahren gleich geblieben. Den Vorwurf, konservativ zu sein, läßt er nicht gelten, auch wenn er wie die Altvorderen dabei bleibt, Träne eben weiter mit h zu schreiben. Seine Verehrung gilt der Dichterin Sappho. Während die Meinungen noch heftig aneinander geraten, bereitet sich indessen der Nächste auf seinen „Auftritt“ vor. Bis zuletzt feilt er am Manuskript. Als er nach vorn geht, weist sein Text viele Korrekturen auf.
Etwa drei bis fünf Autoren gelangen beim sonntäglichen „Literaturlabor“ in den Prüfstand. Es sind Leute unterschiedlichster Art, junge mit flippigen Frisuren und ergraute ältere. Sie kommen aus dem Kiez und aus anderen Stadtbezirken. Drei Moderatoren wechseln sich mit der Leitung ab. Es ist ein offener Kreis, es gibt keinen Vereinsstatus. Namen zählen hier nicht. Aber man kennt sich doch, redet sich mit Vornamen und du an, wie es in der Diskussion offenbar wird.
Ebenso bunt gemischt das Publikum. Erstbesucher erkennt man am Sie. Zwei ältere Damen, Neu-Berlinerinnen, haben in der Zeitung von dieser Veranstaltungsreihe gelesen. Früher haben auch sie geschrieben. Vielleicht bringen sie gelegentlich ihre Texte mit. Viele, wie der oben erwähnte junge Dichter, sind nicht zum erstenmal hier. Die Kritik hat ihn offenbar nicht verprellt. Schreiben ist ein einsamer Prozeß. Darüber reden kann eine Hilfe sein. Clemens Kuhnert, Architekt, der zu den drei Moderatoren gehört, schätzt am „Walden“, daß es hier nach den offiziellen Laborstunden noch Gelegenheit gibt, in kleinen Runden weiter am Text zu experimentieren. Im Sommer vergangenen Jahres hat deshalb das „Literaturlabor“ sein Domizil von Mitte hierher verlegt. „
 
 
2000
 
FAZ: 27.Mai.2000
© vom 27.05.2000
Im ZK der Schrebergärtner
Tiere im Bauch: Spartakiade der Lyrik im Postfuhramt
Von Nicolas Siepen
 
"Lyrik gilt als zartbesaitete Literaturgattung. Ein turbulenter Wettkampf scheint zu Gedichten nicht zu passen, die doch auf Innerlichkeit, Intimität und stille Lektüre im heimischen Lesesessel angewiesen sind. Clemens Kuhnert, Herausgeber der Zeitschrift „Lauter Niemand“, und die Betreiber der Theatergruppe „Das Lemma“, Mona Rinck und Hendrik Jackson, sehen das anders und traten an, die Lebendigkeit der Lyrik zu beweisen. Zu diesem Zweck haben die drei gemeinsam die zweite „Lyrik Spartakiade“ im Postfuhramt organisiert und sind in die Rolle der Jury geschlüpft.
  Beim Betreten des Raumes konnte man zuerst alle Vorurteile bestätigt finden. Das Publikum bestand aus ein Paar Leuten, die meisten wahrscheinlich selbst Dichter. Auf der kleinen Bühne stand ein Tisch mit Mikrophon. Alle Zutaten für einen staubigen Lyrikabend, der einem nach kurzer Zeit die Müdigkeit in die Augen treiben würde, waren aufgeboten. Doch schon als die drei Juroren die Spielregeln erklärten, kam gute Stimmung auf. Man begriff zwar überhaupt nichts, war aber umso gespannter, was als nächstes passieren würde.
  Der erste Dichter tastete sich etwas zögerlich aus dem Zuschauerraum auf die blau erleuchtete Bühne und fummelte am Mikrofonständer. Er nannte seinen Namen und fing an zu Lesen. Dabei reihte er Wörter, die der Welt der Schrebergärten entstammten, so aneinander, dass sie miteinander zu verschmelzen schienen. Das entstehende Sprachgebilde wirkte im ersten Moment trivial, um dann die Farbe eines leicht trüben Ernstes anzunehmen. Der Lyriker trug eine schwarze Lederjacke, war ungefähr Mitte Vierzig und informierte das Publikum darüber, dass er am Rande der Stadt wohne. Die Nächste war Tina. Sie trug einen langen, roten Rock mit weißen Blumen und las mit großer Hingabe Gedichte über wilde Tiere in ihrem Bauch vor. An einem anderen Ort hätte das vielleicht sentimental geklungen, hier aber trafen die laut gesprochenen, fast gesungenen Worte, die von der Jury als „Rap“ gewürdigt und mit einem blumenförmigen Untersetzer Plastikuntersetzer gekürt wurden, auf die fröhliche Atmosphäre im Raum und schufen Bezüge zu anderen Worten in anderen Gedichten.
  Knut kam so behäbig auf die Bühne geschlendert, dass man um seine Artikulationskraft fürchten mußte. Stattdessen schoss er seine Sätze wie Pistolenschüsse ins Publikum und begrüßte alle mit dem Grinsen eines Honigkuchenpferdes. Diesen Gesichtsausdruck behielt er auch bei seinen zahlreichen Gängen von der Bühne zu seinem Stuhl und wieder zurück, wenn er sich unter den Zuhörern Bestätigung für seinen Vortrag holte. Er, der sich Knut Wollenberger nennt, gilt als alter Hase der Slam-Poetrie, also der hohen Kunst, mit frei gesprochenen Gedichten und der Attitude eines Popmusikers das Publikum von den Sitzen zu reißen. Er hatte schon bei der ersten Lyrik Spartakiade den Hauptpreis zugesprochen bekommen und erhiehlt auch hier einen der  vielen Neben- und Sonderpreise in Form von hoffnungslos veralteten russischen Propagandabüchern.
  In der „Lautgedichtrunde“ kam jemand auf die Bühne und trug ein Gedicht auf Holländisch vor. Diesem phonetischen Trick konnte selbst die Jury nicht wiederstehen. Vergeblich versuchte sie, den Lachimpuls in einem interessierten, nachdenklichen Blick nach schräg oben zu verwandeln. Die Jury wählte nach jeweils vier Runden in kurzen Pausen für jede Runde die Sieger. Ihre Begründungen gerieten dabei oft selbst zu poetisch- theoretischen Sprachergüssen, die den Gedichten an Witz und Charme in nichts nachstanden. Als ein russischer Dichter schreiend Hugo Ball beschwor, beschloss die Jury, sich in „Zentralkomitee“ umzubenennen.“
 
 
FAZ: 01. Februar 2000
© vom 01.02.2000
Wir gehen so lala
Eine nette Gesellschaft: Die Gruppe „Lauter Niemand“
Von Jörg Magenau
 
„Mein Innenraum ist ein öffentlicher Raum. Ich – eine Ressource aus dem Nichts. Ich will sie ausbeuten." Der Jüngling, der diese Worte spricht, sitzt sehr aufrecht hinter einem kleinen Lesetischchen auf der Bühne. Licht fällt auf sein Manuskript, das Gesicht bleibt im Halbdunkel. Mit seinem schulterlangen Haar, dem schütteren Bart und dem locker um den Hals drapierten Schal wirkt er wie ein russischer Nihilist des späten 19. Jahrhunderts. Die langen Beine hat er übereinander geschlagen und seitlich weggedreht, als wolle er für ein Ölporträt posieren. Die rechte Hand spielt beiläufig mit einer Zigarettenschachtel. Der Fuß im Turnschuh wippt nervös.
  „Lauter Niemand“ nennt sich das literarische Forum im Eschschloraque, einer halboffiziellen Kneipe gleich neben den Hackeschen Höfen und doch in einer völlig anderen Welt. Die Tür öffnet sich erst, wenn man geklingelt hat. Dann sitzt dahinter eine blonde junge Frau unter einem Strauß leuchtender roter Herzen. Neben der Bühne stehen seltsame Aliens hinter Glas, Trophäen mit riesigem Auge, und über der Theke baumeln grinsende Riesenasseln. Der junge Mann heißt Daniel Falb. Sein Ich ist so öffentlich und so geräumig, weil er ein Dichter ist. Seine Texte nennt er „Lyrikersatz“, wohl weniger als eine Geste demütiger Bescheidenheit als aus der tief empfundenen Gewissheit heraus, dass in dieser Welt für Gedichte kein Platz mehr ist. Er deklamiert mit leiser Stimme und setzt schneidende Pausen zwischen die Worte. Es sind große Worte: Kontinente, die auseinander driften, Menschen, die angstvoll schreien, und Weltgelächter, das nur der Dichter vernimmt. Er schürzt Wahrheiten zu knappen Versen und schüttet sie großzügig ins geduldige Publikum. Ein Dichter, das weiß er, hat gelitten. Er leidet täglich und ist gewohnt, den Dingen auf den Grund zu sehen. Nichts kann ihn erschüttern. Er ist ganz und gar Person. Verkörperte Sensibilität. Konzentriertes Ich. Kein Niemand. Niemals. Dass das französische Wort für niemand „ personne“ heißt, ignorieren wir hier besser.
  Bei Kafka geht die entsprechende Stelle so: „Ich weiß nicht, rief ich ohne Klang, ich weiß ja nicht. Wenn niemand kommt, dann kommt eben niemand. Ich habe niemandem etwas Böses getan, niemand hat mir etwas Böses getan, niemand aber will mir helfen. Lauter niemand. Aber so ist es doch nicht. Nur das mir niemand hilft – sonst wäre lauter niemand hübsch. Ich würde ganz gern - warum denn nicht – einen Ausflug mit einer Gesellschaft von lauter Niemand machen.“ Die Gesellschaft von „Lauter Niemand“ im Eschschloraque ist eine freundliche Gesellschaft, die weiß, wie schwer es ist zu schreiben. Jeder darf mitmachen, der Literarisches zu bieten hat und sich selbst im Schreiben erprobt. Eine Zeitschrift desselben Namens ist bisher zwei Mal erschienen und enthält neben lauter Unbekannten immerhin Autoren wie Karen Duve, Johannes Jansen, Tanja Dückers, oder Ralph Bönt.
  An diesem Abend ist Ambros Waibel für die Prosa zuständig. Umständlich erklärt er, nur den ersten Teil seines Textes lesen zu können, weil es danach gar zu grässlich werde. Dann liest er aber doch alles, weil es „ja eh wurscht“ ist. Es geht um seine Erlebnisse in einem Münchner Vorort- Tennis- Club und den Menschen, mit denen man es dort zu tun hat. Die Menschen sind wenig erfreulich. Sie haben rote Köpfe, machen schlechte Witze und klopfen derb auf fremde Schultern. Besser ist es Dichter zu sein, denn wer schreibt, hat aufgehört, zu all denn anderen zu gehören. Schreiben bedeutet, aus der Gewöhnlichkeit herauszutreten. Das macht es so attraktiv, und Niemand zu sein, ist bloß ein Trick. Odysseus nannte sich so, um den Kyklopen Polyphemos zu überlisten. Als der einäugige Riese, geblendet und in Panik seien Kyklopenfreunde herbeirief und schrie: „Niemand will mich töten!“, da lachten die ihn aus: “Na, dann mach dir mal keine Sorgen.“
  Lauter Niemand ist ein listiger Name, der auf das Gegenteil zielt. Den Abend eröffnet ein dänischer Kurzfilm mit dem Titel „Miranda“. Experimentell verwackelt und unscharf beschreibt er eine selbstbewußte junge Frau, die Auto fährt und sich an einzelne, scharf herausgehobene Momente ihres Lebens erinnert: den Onanisten auf dem Kinderspielplatz, die Party, auf der sie betrunken war, Sex und Drogen, Rausch und Leidenschaft. Das Leben, so die Botschaft, ist Stoff genug.
Sehr ruhig beginnt dagegen der Episodenroman von Katharina Franck, die anschließend auf dem Podium Platz nimmt. Er handelt von vier netten Lesben, die in den Südstaaten ein Motel eröffnen, das sie nach der Tennisspielerin „ Stefanie“ nennen. Die Frauen sind bestimmt sehr schön und könnten Filmschauspielerinnen sein. Sie tun niemandem etwas Böses. Kate liebt Frankie und Joe liebt Camille, das ist alles sehr angenehm und bildhaft. „Das einzige, was ich habe, ist dieser Duft“, lautet ein Satz. Die Autorin meint, dass sich der Text auch singen ließe. Sie hat eine schöne Stimme. Es könnte durchaus ein Roman daraus werden.
  Kafkas kleine Geschichte endet so: „Natürlich ins Gebirge, wohin denn sonst? Wie sich diese Niemand aneinander drängen, diese vielen quer gestreckten und eingehängten Arme, diese vielen Füße, durch winzige Schritte getrennt! Versteht sich, dass alle im Frack sind. Wir gehen so lala, der Wind fährt durch die Lücken, die wir und unsere Gliedmaßen offen lassen. Die Hälse werden im Gebirge frei! Es ist ein Wunder, dass wir nicht singen!“
 
 
1999
 
Berliner Zeitung: 02.Dezember 1999
© vom 02.12.1999
Bücher lesen, bis der Morgen graut
von Dirk Engelhardt
 
„In Berlin nennen sich mehr als tausend Menschen Schriftsteller - einige lesen öffentlich vor
Amateur-Autoren, selbstverliebte Tagebuchschreiber, unentdeckte Talente…“
„In den Hinterhöfen am Hackeschen Markt treffen sich jeden Sonntag um 20 Uhr in der Szene-Kneipe Eschloraque (Rosenthaler Straße 39) rund 30 Nachwuchsautoren. Die Veranstalter sind gleichzeitig die Herausgeber der Kulturzeitung "Lauter Niemand". Hinter der schweren Metalltür sorgen ein in Glas gefasstes Alien und obskure Wandgemälde aus dem Umfeld der Berliner Künstlergruppe "Dead Chickens" für eine etwas entrückte Atmosphäre. Der Autor sitzt auf einer Bühne und blickt auf sein Publikum herab. Die so geschaffene Distanz hat den Effekt der besseren Konzentration und einer sachlicheren Kritik.
Die Szene dreht sich im Kreis
Clemens Kuhnert von "Lauter Niemand" beschreibt die Unterschiede zwischen den freien Autorenlesungen in Berlin: "Es kommen oft immer dieselben Leute. Bei uns sind es viele Autoren, die selber schreiben, was die Kritik auf ein anderes Niveau hebt. Die wissen halt, worum es geht. In anderen Lesungen wird oft ständig versucht, den Inhalt zu interpretieren oder nach dem Sinn zu suchen."
Trockene und verstaubte Bibliotheksluft gibt es jedenfalls nirgends zu atmen, und selbst dagegen hilft nichts besser als ein kühles Bier. „
 
 
1998
 
Berliner Stadtmagazin Zitty: Ausgabe Nr. 8 / 1998
Postskriptum
von Hilmar Schmundt
 
„Selber schreiben, selber lesen
Die Literaturzeitschrift lauter niemand ist immer auf der Suche nach neuen Stimmen, um ihr Cocktail aus Kunst und Literatur anzumixen, stilecht am 11.04., 20 Uhr in der wunderschönen Bar Eschschloraque,…“
 
 
Berliner Stadtmagazin Zitty: Mai 1998
Zittylights
 
Lesung 20.00 Uhr, Volksbühne Roter Salon Lauter Niemand: Unter diesem wenig werbewirksamen Namen erscheint heute die 2.Ausgabe einer Berliner Literaturzeitschrift unbekannter Autoren. In der ersten Nummer von 1996 veröffentlichten einige später den „niemand“- Status erfolgreich abschüttelnde Autoren. Ob diesmal auch wieder ein paar unentdeckte Talente dabei sind, kann man bei der Release-Party mit Lesung, Musik und „Literaten- Cocktails“ selbst feststellen. Eintritt mit Zeitung: 10 DM.
 
 
Scheinschlag: Ausgabe 7, 1998
Sag´s durch die Blume
Unter: Worte
 
„… Wie zu hören ist, ist die Re- Animation der lauter niemand, Berliner Zeitschrift für Lyrik und Prosa gedacht. Die letzte Ausgabe erschien 1996 und versammelte mit beispielsweise p.m.waschkau, Olaf Behrens oder Katja Winkler Autoren, die sich seitdem nicht nur im Berliner Literatendschungel einen Namen gemacht haben. Die Zeitschrift fiel daraufhin in Winterschlaf, die Macher verlegten sich in Folge auf Lesungen, die schon seit einiger Zeit jeden Sonntag unter dem Titel lauter niemand forum im Café Esperanza stattfinden.
Einblicke in die nächste Augabe – Erscheinungsdatum soll der Mai sein- dürften nun anlässlich einer Premiere zu erhalten sein, und vielleicht auch mehr: Denn neben traditionellen Formen sollen Hörspiel, szenischer Text und Musik Bestandteil der lauter niemand lesung sein, die so etwas wie das Startsignal für neuerliche editorische Aktivitäten darstellt. …“
 
 
1996
 
Tagesspiegel: 11. Juli 1996
Unter: Literatur / literarischen Zeitschriften
Der Hund im Hund.
Über gelungene Hommagen und peinliche Lobreden
Von Marko Martin
 
„… Derlei Kontinuität gelingt allerdings nicht immer; besonders die Lobreden kleinerer Geister auf gewichtige Autoren strotzen zumeist vor Peinlichkeiten und kommen intellektueller Vergewaltigung gleich.
Das obskurste Beispiel für solches Tun findet sich in der aktuellen Ausgabe von „lauter niemand“, einer „Berliner Zeitung für Lyrik und Prosa“, deren Namen schon genug über die Qualität ihrer Autoren sagt. Mit von der Partie ist auch der Ex-Ehemann der DDR-Bürgerrechtlerin Vera Wollenberger, der seine Frau jahrelang im Auftrag des Mfs ausspionierte. Jetzt schreibt der Spitzel Gedichte „für Vaclaw (sic!) Havel“, scheitert allerdings nicht nur an der korrekten Orthographie, sondern hat auch noch die Chuzpe, den langjährigen Häftling mit solchen Zeilen anzudichten: „Frag in der Haftanstalt / die Augen / aus dem Haupt des Gottes / …Frag den Hund, den Hund / im Hund, wie´s schmeckt / das Blut, das Blut / vom Wenzelsplatz“. …"
 
 
Berliner Stadmagazin Zitty: Juni bis Juli 1996
Unter: Literatur
Streifzug
 
„…Bevor Autoren zu Ereignissen geladen werden, müssen sie sich erst mal in die Öffentlichkeit trauen. Zum Beispiel im Kulturhaus Mitte,… An gleichem Ort machen sich einige Jungschreiber ungeschickt selber runter: “lauter niemand“ nennen sie ihre Literaturzeitung, die sie am Sonntag vorstellen. Auch nicht eben zu den Spitzen der Gesellschaft gehören Alkis, Penner und Fixer, …“
 
 
Scheinschlag: Mai 1996
 
„Rund 100 Briefe mit Prosa- und Lyriktexten erreichten bis zum 30.April die eigenständige fünfköpfige Redaktion der Literaturzeitschrift „lauter niemand“, die als Beilage des scheinschlag erscheinen wird. Für die erste Nummer hat der Kulturbeirat Mitte bereits Unterstützungsgelder bewilligt, es fehlen aber noch rund 1000 DM. Deshalb werden noch dringend Sponsoren und Anzeigenkunden gesucht.
Die Beilage wird vierteljährlich erscheinen. Texte können weiterhin eingesandt werden. …“