lauter niemand - bio - prosa - lyrik - poetik
2012
 
Alistair Noon
 
 
Earth Records
 
Die Transylvanians habe ich zum ersten Mal 1995 gehört, wenige Monaten nach deren Gründung, im Berliner Schokoladen. Damals rein akustisch – Gitarre, Akkordeon, Kontrabass und zwei Geiger – spielte die Band traditionelle Lieder aus Ungarn und vom Balkan, mit Melodien die ich nicht kannte und Rhythmen zu denen es zwingend erforderlich war zu tanzen. Kurz danach hörte ich sie noch einmal, und während der Pause gab es seitens Publikums eine Spontanräumung der ganzen Stuhlreihen, die von den Organisatoren sorgfältig platziert worden waren.
 
Die Mitglieder wechselten und die Band wurde immer rockiger, spielte elektrisch und auf großen Festivals, tourte durch Europa und kam in Großbritannien während der Maul- und Klauenseuche und den Bradforder Riots an. Sie vertrieben ihre eigenen CDs, was zusammen mit den Auftritten offenbar genug reinbrachte um weiter zu machen. Lieder wurden überarbeitet und es gab diverse Experimente, mal gelungener, mal weniger. Sie spielte ein Stuck von Béla Bartók.
 
Ich habe sie mal schlecht und mal gut gelaunt gesehen. Ein Gig in jüngster Vergangenheit war der beste, den ich seit langem miterlebt hatte. In einem Lied spielte die Sängerin Akkorde auf Gitarre während ein anderes Bandmitglied von hinten ein Bassline auf der untersten Seite spielte, der Schlagzeuger auf den Gitarrenkörper trommelte, und noch jemand noch etwas anderes auf dem gleichen Instrument unternommen hat. András, der Geiger, hat sein übliches Stagedive gemacht.
 
Um eine Zeile aus Kelvin Corcorans Gedicht 'Tocharian the I-E Enclave' komplett aus dem Zusammenhang zu reißen: „Es ist nur eine langgezogene Analogie“.
 
Der Lyrikband Earth Records erschien 2012 bei Nine Arches Press