lauter niemand - bio - prosa - lyrik - poetik
 
 
Armin Kurosh Marschall
 
 
Ovationen
 
Beifall, der; -[e]s: Bekundung von Zustimmung oder Begeisterung durch Klatschen, Trampeln, Rufen u.a.
 
(lesung)
 
die hinteren reihen waren gut gebucht die vorderen taten so & die eigenen nahmen sichs vor gegens gefälle gäbs ja aspirin die zu späten wärn ganz ohr ihr lächeln gefröre zu langnese & du tränkst auf die gefühlteste nacht des jahres
 
berlin, 7. august 06
 
 
(dada on the rocks)
 
könnte er vom balkon aus ovarien o sole mio singen hören würde er wohl wie van gogh sein gehör schenken da capo oder sich wie gott ihn schuf nach dem vorhang ertränken in onanien wie ovationen mit ohren betäubenden bravos!
 
berlin, 4. september 06
 
 
(bestseller)
 
als hätte er die klospülung gezogen & so einen tsunami ausgelöst & die putzkraft las von der bremsspur ab was nachkommen das fürchten lehrte & kehrte das geschäft bzw. was später übrig war zurück zur alltäglichen leere
 
berlin, 26. september 06
 
 
(nachruf)
 
dieser sonntag entrollte sich wie ein weinroter teppich ihn zu ehren die kapelle mit zehnfachem blech schlag zeuge kastagnetten als wäre sein iktus ein teil vom takt den das schwarze klatschen strahlend schön verhallte
 
bologna, 15. april 07
 
 
(diplomatisch)
 
die botschaft? kam an den beamten vorbei mit bodyguards heimatfest mal knie falls plus bratwurst für die missionars mit senf scharf wie bonmots die neue welt noch nicht ganz intus & beifall geht ja wie liebe schlucks! durch den magen
 
peking, 11. okt.07
 
 
(interkultürliche tagung)
 
die blonde hochcouture begrüßte ich mit abundanter langeweile irgendwie schlugen alle herzen höher die agenda der interkultur als schnuller äh...applaus! brandete während king salomon nach kondomen fragte schwanten mir leckere bananen & kokosnüsse
 
peking, 1. nov. 07
 
 
 
lauter niemand 5
 
Küsse
 
 
Kuss, der; -es, Küsse [mhd., ahd. kus.
rückgeb. aus küssen]: [sanft] drückende
Berührung mit den [leicht gespitzten,
leicht geöffneten] Lippen
küssen (sw. V; hat) [mhd. küssen, ahd.
küssen, urspr. lautmalerisch]: jmdm.
einen od. mehrere Küsse geben
 
     
 
1.
 
 
berühr ich ihren hals schürt sich die haut auf - gegen die langen gedanken. traut sich nicht zu versprechen wenn die brust zitternd schwillt fühlt sie sich im rausch auch bei mir aufgehoben - sich und ihren verhangenen widerspruch.
 
 
valencia, 3.11.01
 
     
 
2.
 
 
ihre lippen beissen sich in seine fest wie die terz in eine quinte. klingt sie auf zur melodie tut der listige nutznießer dran sie in einen lustigen trugschluß zu kippen. doch ihre ahnung gibt diesem lästigen treiben eine heikle harmonie.
 
 
piacenza, 12.12.01
 
     
 
3.
 
 
ohne zu beginnen weicht er mit silben pro sekunde vom munde trotz plappern, kaugummis, augenblick alles für ihn spricht. ja in diesem verrinnen hält die zunge hörig sich und dich noch zurück als ob wie von sinnen zurück.
 
 
berlin, 26.11.02
 
     
 
4.
 
 
eine augenbraue die sich in den abgrund neigt und ihn mit ihren lippen zeigt er seinen mund und die haut einer aufgemachten walnuß brennt ihr mal in die fläche der hand gefährlich zärtlich der kuß launisch das lächeln.
 
 
hamburg, 1.03
 
     
 
5.
 
  ein fischmaul das plankton kaut. so wie es sich anfühlt so siehts aus dem fernsehn abgeschaut. und der muskel des mundes übt ermüdend ein belanglos ent-komm und gehn obwohl sie ihn so spielerisch aufbaut mit salzstangen beim flaschendrehn und wie  
 
? , 17.3.92
 
     
 
6.
 
 
im tiefen wirrwarr der nacht scheint ihr mein mund ein attraktiver halt zu sein (wie auch immer er war). der verdacht daß ich sie für eine andere halt als sie mich sieht läßt den augenblick kalt für die lust die sich bald darauf davon macht.
 
 
amsterdam, 10.5.03
 
     
 
7.
 
 
beim abschied verschieben sich die winkel der lippen hin zueinander wie süsses versehen. halb suchend versuchend schneiden sich die beiden nicht ohne daß sie sich berühren um den knoten der zungenspitze die oskulation der münder
 
 
kairo, 22.1.04
 
     

 

literaturlabor 21.12.2003
 
La Femme Fatale
 

Die hand an der heiligen
sockelwölbung einer frau
entaille sie biegt sich tief
greift sie sanft entzieht
sich im tanz der lieben
den gefahr sein schwanz
friert sich an den bildern
fest wie ein langes haar
am ärmel des jacketts

Eine augenbraue die sich
in den abgrund neigt und
ihn mit ihren lippen zeigt
er seinen mund und die
haut einer aufgemachten
walnuß brennt ihr mal in
die fläche der hand ge
fährlich zärtlich der kuß
launisch das lächeln

Ihre beine so lang wie
ein gefängnisaufenthalt
im verhängnis der sehne
sucht er ihr gewebe auf
das hemmnis ihrer mask
en ab und auf den spalt
leg die zunge in die kehle
eines frauenknies und sing...
aus dem stegreif mir ein lied


Mit verfrühten früchten
führst du ihn in den ruin
und flüchtigen süchten
wie aus einem magazin
kopiert für einen schein
und er für sein irrsinnig
auf und abgemühtes ge
müt orientiert sich der
weil da rein

Bis zur narkose betört
hört das ohr kein einzi
ges wort das zu sagen
wär geschweige denn
was von ihrer stimme
aufgesogen ist dem ge
hör entgangen entblößt
ihn das leere echo bis
auf die scham
...

Es bereitete ihr vergnü
gen und r bog sich zu
einem J bereitete ihr
vergnügen durch seine
bigotten züge wiegt er
sich in charme bereitete
vergnügen und begreift
deshalb nie warum alles
anders kam
...

Hinter dem gesicht wie
ein schild und von der
leichten wendung von
kinn bis knie löst sich
mit einem stich das bild
fällt ab in eine schlichte
leere ein nichts das we
der den bann hält noch
sie -

Hamburg / Januar-Februar 2003