ars poetica
 
einleitung
 
In der zweiten Staffel der poetik 2001 werden wir vor allem wieder junge und jüngste lyrische Stimmen aus dieser ersten Dekade des neuen Jahrhunderts versammeln. Einigen werden wir so auch diesmal zum ersten Mal Anlass und Möglichkeit bieten, auch außerhalb der Gespräche im lauter niemand literaturlabor öffentlich über ihre Sprachhaltung zu reflektieren und die Reaktionen anderer Autoren zu riskieren.
So geht es uns auch nicht um die Abarbeitung bestimmter vorgegebener Fragestellungen oder um gut gemeinte Ratschläge und Vorstellungen zur Zukunft der Lyrik oder der Kollegen. Es geht uns um Steckbriefe von Lyrikern in Form von Schlaglichtern auf ihre Arbeitsweise und auf ihren gedanklichen Hintergrund an einem bestimmten Moment ihrer Entwicklung: Damit wird dann alles poetologisch, zeigt es einen erwarteten oder unerwarteten Schlüssel zum tieferen Verständnis ihrer Sprachhaltung. So sind auch die Ergebnisse unserer ersten Nachfragen wohl nur noch zum Teil für ihre Autoren gültig geblieben, interessant bleiben sie auf jeden Fall.
Dazu werden wir auch solche Lyriker um ihren poetologischen Steckbrief bitten, welche bereits zum etablierteren Umfeld gehören. Ein Umfeld, auf das Autoren, die heute am Anfang ihrer Entwicklung stehen, bewusst oder unbewusst Bezug nehmen: Es zeigt den zweifellosen Veränderungsprozess der letzten Jahre, dass für sie sich manche Fragen und Tabus sang- und klanglos erledigt haben, welche vor kurzem noch wichtig schienen. Vieles davon jedoch nicht mangels besserer Argumente, sondern mangels Interesse in Folge einer Verschiebung der Wahrnehmung von Gedichten und der Erwartungen, die an sie gestellt werden. So weist jede Poetik auch auf eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung und führt jeder Verlust einer Ordnung zu einer anderen: Wir wollen mit Ihnen sehen, wie es darum steht. (frühjahr 2008)